31. März, 17:05 Uhr, IB 6314 – Abflug San José, Costa Rica. Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit: eine Hängematte, jede Menge Kaffee aus Costa Rica, hunderte Fotos und tausende Erinnerungen an meine Zeit als Freiwilliger. 23 Kilogramm scheinen knapp bemessen für die Souvenirs einer so langen Reise. 8 Monate in Costa Rica neigen sich dem Ende zu und die Vorfreude auf zu Hause mischt sich mit etwas Abschiedsschmerz und nostalgischen Erinnerungen an die Erlebnisse und Ereignisse der letzten Wochen in Zentralamerika. Die Tage sind gezählt und aus der Bilanz meines Zivildienstes geht unterm Strich definitiv mehr hervor als unzählige Kilo Reis und Bohnen.
Das erste Mal im Regenwald, das erste Mal Schnorcheln im Korallenriff, das erste Mal auf einem Vulkan, das erste Mal am Panamakanal, das erste Mal eine Kaffeebohne im ungerösteten Zustand gekostet, das erste Mal an der Karibik – in vielerlei Hinsicht war Costa Rica für mich ein Land der ersten Male. Die reiche Küste hält was sie verspricht, aber nicht nur in Costa Rica, sondern auch in Canada, den USA, Nicaragua und Panama konnte ich während meiner Reise unvergessliche Erfahrungen sammeln.
Ein Abschnitt geht zu Ende und mit ihm zwar auch mein Zivildienst – einen Teil der neu kennengelernten Kultur und der neuen Lebensweise werde ich jedoch nach Deutschland mitnehmen. Genauso wie ich mich an die konstant angenehmen sonnigen 20 Grad Außentemperatur gewöhnt habe, habe ich mich an die tropischen Früchte und die morgendlichen kalten Duschen gewöhnt. Nach 8 Monaten heißt es für mich sich wieder an den deutschen Alltag zu gewöhnen – eine kleine Herausforderung für sich.
Zurück in Deutschland, werde ich sicherlich den Bilderbuchsonnenuntergang über dem Horizont des pazifischen Ozeans vermissen, den man gar nicht oft genug betrachten kann und das völlig unbeschwerte sorgenlose Leben an der Küste. Nach 8 Monaten Aufenthalt ist Zentralamerika ein kleiner Teil von mir geworden und hat vielleicht mehr in meiner Denk- und Lebensweise verändert als ich zugeben möchte oder im Moment beurteilen kann. Meine Reise hat mit Gewissheit etwas in mir verändert und angestoßen und mich in vielerlei Hinsicht sensibilisiert. Ich hoffe, dass der ein oder andere Bericht auch meinen Lesern zumindest einen kleinen Denkanstoß bieten konnte, bei denen ich mich für ihre Treue und Unterstützung in diesem letzten Artikel aus Costa Rica neben meinem Förderkreis und meinen Spendern von ganzem Herzen bedanken möchte.
Im Ausland wurde meine tägliche Routine nach 12 Jahren Schule aufgebrochen und ich konnte kurz inne halten und einige wichtige Dinge aus einem größeren Kontext betrachten als es mir in Deutschland möglich gewesen wäre. Ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben, obgleich dieses Jahr neben neuen Eindrücken einer neuen Kultur und neuer Landschaften auch einige Ressentiments mit sich brachte.
Gerade in den letzten Tagen kam ich noch in den Genuss eine der schönsten Ecken Zentralamerikas zu sehen. Den Karneval in Panama City, der zwar parallel zum deutschen Fasching stattfindet, jedoch in keiner Weise vergleichbar ist mit seinen Rumba-Rhythmen und fantastischen Umzugswägen auf den Straßen. Natürlich habe ich auch den berühmten Panamakanal besucht, dessen wirkliche Größe im Vergleich zu meinen Erwartungen erstaunlich klein war, in Anbetracht der Größe der Riesenfrachtschiffe, die ihn täglich passieren.
Mein letztes Wochenende verbrachte ich schließlich mit einem weiteren perfekten Sonnenuntergang an der Pazifikküste Nicaraguas, am Strand von San Juan del Sur. Davor standen die Kolonialstadt Granada mit ihrem einzigartigen Flair und die Insel Ometepe auf dem Nicaraguasee mit ihren zwei beeindruckenden Vulkanen, von denen wir einen zum Teil bestiegen haben, auf unserem Reiseplan.
Auch von meinem Projekt, dem Casa den Pan, in dem ich nun fast 4 Monate gearbeitet habe, werde ich Abschied nehmen. Von den Kindern, die mir in gewisser Weise schon ans Herz gewachsen sind und natürlich von den anderen Freiwilligen aus Deutschland und aller Welt, die dieses Abenteuer mit mir gemeinsam angetreten haben.
Nach einer langen Reise hofft man insgeheim immer, dass in der Heimat alles so geblieben ist wie vorher. Aber auch zu Hause hat die Zeit einige Veränderungen mit sich gebracht, die man manchmal am liebsten nicht wahr haben möchte.
Was dieses Jahr in mir bewirkt kann ich gar nicht beschreiben und noch wirkt es etwas surreal nach Deutschland zurückzukehren. Meistens verreist man ja nur, um es zurück zu Hause wieder schön zu finden. Reisen führt eben paradoxerweise meistens doch zu sich selbst zurück.
Amin Kachabia
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